Trauer um Bernhard Rosenkranz
Bernhard Rosenkranz ist tot. Mit ihm verliert Hamburg einen engagierten Kämpfer für die Rechte und das Ansehen von Schwulen und Lesben.
Das letzte Bild, die letzte Begegnung, die bereits angesichts seiner unmittelbar bevorstehenden Herztransplantation stattfand, war ein gemeinsamer Besuch des Theaterstücks “Die Macher”, im Schauspielhaus, bei dem es um gesellschaftliches Engagement ging.
Alle, die damals mit Bernhard dieses Stück gesehen haben, hatten wohl das Gefühl, dass eigentlich er dort auf der Bühne stehen müsste: Als ein Vorbild für gesellschaftliches Engagement und für persönlichen, selbstlosen Einsatz.
Bernhard Rosenkranz hat sich auf so vielfältige Weise engagiert, dass ich nur einige, wenige seiner Aktivitäten nennen kann. Das bedeutenste ist zweifellos, gemeinsam mit Ulf Bollmann, die Initiative „Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer“. Nicht nur, dass diese Initiative die Schicksale von mehr als 300 homosexuellen Opfern der NS-Zeit wieder lebendig gemacht hat, sie wurden auch im Stadtbild durch Stolpersteine sichtbar gemacht, fand Niederschlag in einer viel beachteten Ausstellung “Homosexuellen Verfolgung in Hamburg 1919-1969″, der Herausgabe eines diese Verfolgung dokumentierenden Buches und vieler weiterer Aktivitäten.
Dies ist, wie gesagt, nur ein kleiner Ausschnitt seines Wirkens. Ohne ihn ist Hamburgs Szene um vieles ärmer. Der Verlust ist nicht zu ersetzen. Sein Tod macht mich sehr traurig.
Bernhard Rosenkranz hinterlässt einen Lebensgefährten. Die Trauerfeier wird am kommenden Donnerstag, dem 11. März 2010, 14 Uhr in der Dreieinigkeitskirche in St. Georg mit Bischöfin Jepsen stattfinden.
Wissenschaftlicher Dienst des Bundestags: Adoptionsverbot für Schwule und Lesben verfassungswidrig
Lebenspartner werden gegenüber Eheleuten im Adoptionsrecht diskriminiert.
Das könnte sich ändern. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags kommt in einem Gutachten zu dem Ergebnis, dass dieses Verbot verfassungswidrig ist.
In Auftrag gegeben hat dieses Gutachten der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck. Grundlage dafür war die neueste Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht.
Die Karlsruher Richter hatten im letzten Jahr deutlich gemacht, dass sich Ehe und Lebenspartnerschaft in der auf Dauer angelegten Verantwortung nicht unterschieden.
Das gesamte Urteil und eine Bewertung finden Sie auf der Website von Volker Beck.
Empfehlung: “Seitenwechsel” an den Hamburger Kammerspielen
An den Hamburger Kammerspielen wird zurzeit ein Stück aufgeführt, das ich Ihnen empfehlen möchte.
“Seitenwechsel” beleuchtet das Tabu Homosexualität im Profifußball.
Nach dem tragischen Selbstmord des Torhüters Robert Enke ist die Sensibilität über die Bedingungen des Profifußballs enorm gestiegen.
Dieses Theaterstück spielt in Großbritannien, wo der Druck im Profifußball immens ist.
Es geht um einen Fußballtrainer, der seine sexuelle Identität jahrelang unterdrückt hat und inzwischen Kinder und Frau hat.
Erst durch den Neuzugang eines jungen Talents aus der Nachwuchsabteilung des Vereins erwachen die verdrängten Gefühle wieder. Der Schauspieler Stefan Jürgens spielt alle Rollen selbst, die des Trainers, der Spieler, des Geschäftsführers, des jungen Nachwuchsspielers.
Er bringt durch den permanenten Rollenwechsels eine außergewöhnliche Authenzität auf die Bühne.
Auch die Rolle der Medien – als reine Wiedergabe und als Motor des “Skandals” – wird kritisch beleuchtet. Ein Stück, das nachdenklich macht,und den Abwehrkampf eines veralteten Männerbilds glaubhaft beschreibt.
Vorstellungen laufen noch bis 28. März 2010.
Schwule & Fußball: DFB-Präsident Zwanziger kommt nach Hamburg
Bühnengespräch in den Hamburger Kammerspielen
Theater trifft Fußball – im Vorfeld der Premiere zum neuen Theaterstück “Seitenwechsel” kommt Theo Zwanziger, Präsident des DFB am Mittwoch, den 3. Februar 2010, 16.00 Uhr zu einer spannenden Veranstaltung in die Hamburger Kammerspiele.
Dort wird er mit Axel Schneider (Regisseur), Marcus Urban (Ex-Fussballer) und Stefan Jürgens (Schauspieler) über dieses immer noch sehr heikle Thema sprechen. In kaum einem gesellschaftlichen Bereich wird Homosexualität dermaßen tabuisiert.
Alle Interessierten sind herzlichst eingeladen, an diesem Bühnengespräch teilzunehmen. Anmeldung:
Grandioser Neujahrsempfang im Rathaus
Rekordzulauf beim Neujahrsempfang der GAL.
Der 11. Neujahrsempfang der GAL-Bürgerschaftsfraktion in schwul-lesbischer Tradition hatte soviel Gäste wie noch nie. Weit über 1.000 Menschen kamen in den Großen Festsaal des Hamburger Rathauses, um mit uns Grünen zusammen auf das Neue Jahr anzustoßen.
Damit auch alle begrüßt werden konnten, verspäteten sich die Reden von Antje Möller, Cem Özdemir und mir. Die Stimmung war ausgelassen und die von vielen erwartete Rede des Bundesvorsitzenden der Grünen zur Lage der Republik wurde immer wieder von Applaus unterbrochen. Gut gebrüllt Cem, das hat Spaß gemacht.
Das besondere an diesem Neujahrsempfang ist natürlich die bunte Mischung, da feiert die Tunte mit dem Muslim, da begegnen sich Abgeordnete aus allen Fraktionen, da kommen Imame und Pastoren, Unternehmerinnen und natürlich auch Bio-Deutsche zusammen – eben die Vielfalt, die Hamburg ausmacht und doch selten so zusammenkommt.
Hier einige erste Fotos vom Abend:
Einladung zum Neujahrsempfang 2010
Am Freitag, den 15. Januar 2010, lädt die GAL-Bürgerschaftsfraktion zu ihrem Neujahrsempfang für Schwule, Lesben und Freunde.
Traditionell beginnt der Empfang um 19.00 Uhr mit einem Defilee vor dem großen Festsaal des Rathauses.
Um 19.30 Uhr begrüßt dann zunächst Antje Möller, stellvertrende Fraktionsvorsitzende der GAL-Bürgerschaftsfraktion, die Gäste. Es schließen sich Farid Müller und als Gastredner Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/DIE GRÜNEN an.
Ab 20.00 Uhr legt dann DJ Sunshine (Wunderbar) zur Unterhaltung auf.
Auch in diesem Jahr wird wieder die LovePatrol von Hein&Fiete, Hamburgs Präventionsprojekt für Schwule Männer, den Service bestreiten.
Bitte beachten Sie: Eine Anmeldung ist erbeten bei Frau Britta Plaeschke, GAL-Bürgerschaftsfraktion, Tel. 040 42831 – 1397 oder info@gal-fraktion.de.
Die Einladung zum Neujahrsempfang als PDF
Durchbruch bei der Lebenspartnerschaft
Farid Müller (Grüne) und Roland Heinzte(CDU): „Erfolg bei der Gleichstellung”.
Hamburg stellt als erstes Bundesland Lebenspartnerschaft und Ehe rückwirkend zum 1. August 2001 gleich. Im Hamburger Landesrecht bestanden bislang noch Ungleichbehandlungen im Beamtenrecht.
Über die bisherigen Pläne der völligen Gleichstellung zwischen verpartnerten und verheirateten Beamten rückwirkend ab 2003 hat der Innenausschuss der Bürgerschaft gestern auf Antrag von CDU und Grünen beschlossen, einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu folgen und die Regelung noch weiter zu fassen. Die Gleichstellung wird nun rückwirkend zum Zeitpunkt der Einführung der Lebenspartnerschaft am 1. August 2001 eingeführt.
Beamtinnen und Beamte, die sich seit diesem Zeitpunkt verpartnert haben, erhalten damit rückwirkend ab Eintragung der Partnerschaft die gleichen Bezüge wie ihre verheirateten Kolleginnen und Kollegen.
Dazu erklären Farid Müller Sprecher für Schwulen- und Lesbenpolitik der GAL-Bürgerschaftsfraktion und Roland Heintze Sprecher für Schwulen- und Lesbenpolitik der CDU-Bürgerschaftsfraktion: “Hamburg setzt ein wichtiges Zeichen für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Berlin ist tolerant, Hamburg toleranter. Hier lässt es sich gut leben. Es wäre schön, wenn andere Bundesländer unserem Vorbild folgen würden.”
Hintergrund
CDU und GAL hatten sich verpflichtet, im Bereich des Hamburger Landesrechts alle Ungleichbehandlungen zwischen Lebenspartnerschaft und Ehe zu beseitigen. Das betraf vor allem das Besoldungsrecht von Beamtinnen und Beamten. Hier wurden Ehepaaren Zuschläge und eine Hinterbliebenenversorgung gewährt, die Menschen in Lebenspartnerschaften verwehrt waren. Die Schwarz-Grüne Koalition war sich einig, dass die Gleichstellung rückwirkend gewährt werden sollte.
Ursprünglich war dafür der 3.12.2003 vorgesehen die EU-Richtlinie in Kraft getreten ist, die die Gleichstellung vorsieht. Eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von diesem Herbst legte nun nahe, die rückwirkende Gleichstellung zum 1.8.2001 zu vollziehen.
Ärgerlich: SPD verzögert Gleichstellung
Wegen einer von der SPD durchgesetzten Anhörung verzögert sich die Gleichstellung von Ehepaaren und Lebenspartnern in Hamburg um mindestens einen Monat.
In Hamburg sollte zum Jahreswechsel die Gleichstellung von verpartnerten Beamtinnen und Beamten mit ihren verheirateten Kolleginnen und Kollegen in Kraft treten. Damit wäre die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben in Hamburg zum 1.1.2010 vollendet gewesen. Der Schwarz-Grüne Koalition hatte die Gleichstellung bereits im Frühjahr beschlossen, sie muss aber als Gesetz vom Landesparlament verabschiedet werden.
Nun wird sich die Gleichstellung um mindestens einen Monat verzögern. Grund dafür: Die SPD hat für einen der Gesetzentwürfe, in denen die Gleichstellung neben anderen Fragen des Beamtenrechts beschlossen wird, eine zusätzliche Expertenanhörung durchgesetzt. Diese kann erst am 15. Dezember stattfinden, so dass das Landesparlament die Gesetze frühestens im Januar beschließen kann.
Farid Müller, lesben- und schwulenpolitischer Sprecher der GAL-Bürgerschaftsfraktion sagte dazu: “Für die Verpartnerten ist diese weitere Verzögerung ärgerlich und nicht nachvollziehbar. Offenbar sind der SPD ihre Interessen nicht wichtig. CDU und Grüne haben beschlossen, dass die Regelungen rückwirkend in Kraft treten kann, so dass die Betroffenen durch die Verzögerung keine materiellen Nachteile haben. Dennoch ist jede neue Verzögerung ärgerlich.”
Fakt ist, dass der Gesetzentwurf die Bürgerschaft bereits im Oktober erreicht hat und dass die Fraktionen ausreichend Zeit hatten, sich damit auseinanderzusetzen. Außerdem lagen die Stellungnahmen der Experten und Verbände schon mit dem Gesetzentwurf vor.
Hintergrund:
Derzeit berät die Hamburger Bürgerschaft zwei Senatsgesetzentwürfe (19/3757 und 19/4246) zur Neuregelung des Beamtenrechts. In diesen Gesetzentwürfen ist die komplette Gleichstellung von Eingetragenen Lebenspartnerschaften mit der Ehe enthalten. Dazu gehören unter anderem der Familienzuschlag, die Hinterbliebenenrente und die Beihilfe (Krankenversicherungszuschuss). Alle Leistungen werden rückwirkend zum Dezember 2003 gewährt. Das ist – mit Ausnahme von Berlin – bundesweit einmalig.
Welt-AIDS-Tag 2009
Mehr Safer Sex in Hamburg!
Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Aus diesem Anlass rufe ich als AIDS-Experte der GAL-Bürgerschaftsfraktion zu mehr bewusstem Schutz beim Geschlechtsverkehr auf und weise auf die Aufstockung der Mittel für die Aids-Prävention hin.
Die Lage in Hamburg bleibt mit rund 200 Neuinfektionen und 60 Aids-Toten jährlich auf einem zu hohen Niveau. Weiterhin sind mehr als die Hälfte der Neuinfizierten schwule oder bisexuelle Männer. Deswegen rufe ich dazu auf, sich wieder mehr zu schützen. Zu Safer Sex gibt es keine Alternative.
Erst im Oktober hat der schwarz-grüne Senat ein Kongress zur Zukunft der AIDS-Prävention veranstaltet, die Ergebnisse und Lehren sollten für 2010 genutzt werden.
Schwarz-Grün handelt. Im Haushalt 2009/2010 sind die Mittel für die Aids-Prävention aufgestockt worden. Die Aids-Hilfe hat mehr Geld erhalten, außerdem wurde ein zusätzlicher Streetworker für die schwule Szene eingestellt und die kostenlosen und anonymen HIV-Tests bei dem schwulen Präventionsprojekt Hein & Fiete wurden ausgeweitet.
Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts zum Welt-AIDS-Tag 2009
Schwarz-Gelb bremst Gleichstellung aus
Unsere Bundesratsinitiative zur Aufnahme von Schwulen und Lesben in das Grundgesetz ist gescheitert.
Bei der heute stattfindenden Sitzung des Bundesrats haben die von FDP und CDU regierten Länder eine Überweisung an den Bundestag verhindert.
Die Länder Hamburg, Bremen und Berlin haben gemeinsam beantragt, den Artikel 3 des Grundgesetzes zu erweitern. Damit sollte die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität ausdrücklich verboten werden.
Bemerkenswert ist, dass CDU und FDP in den Ländern, in denen sie mit den Grünen regieren, den Antrag nicht abgelehnt haben. Abgelehnt wurde er von Ländern, die von CDU und FDP allein regiert werden. Die Haltung der CDU überrascht wenig. Das Verhalten der FDP belegt aber, dass ihnen die Bürgerrechte vollkommen schnuppe sind.
Im Vertrag von Lissabon werden Schwule und Lesben bereits vor Diskriminierung ausdrücklich geschützt. Es ist nicht gut, dass Deutschland hinter diesen Standard zurückfällt.
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