Liebe Medienpartner!

Vor einem guten Jahrzehnt galt die Kreuzung an der Sternbrücke als einer der Schandflecken unserer schönen Stadt. Niemand konnte sich so richtig vorstellen, dass man überhaupt attraktive Nutzungen für die Immobilien in und um die 1893 errichtete Brücke finden könnte.

Gut, im klassischen Sinne hübsch ist die Ecke bis heute nicht. Aber genau in dieser Nische hat sich in den letzten 12 Jahren nach und nach mit dem Fundbuero, der Astrastube und dem Waagenbau einer der wichtigsten Standorte für Subkulturclubs in Hamburg entwickelt.

Als Folge dieser Entwicklung siedelten sich im direkten Umfeld mehrere Bars und alleine 3 Pizzabäcker an. Der vielleicht lebendigste und kreativste kleine Kiez der Stadt entstand am Rande des Schanzenviertels.

Aufgrund der einzigartigen Programmvielfalt und einer hohen inhaltlichen Qualität sowie der für das Nachtleben schon fast biblischen Laufzeiten reicht die Bekanntheit jedes einzelnen Clubs mittlerweile weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Neben Dj- und LiveDj-Sets und vielen Livekonzerte aller Genres gehören Ausstellungen und Theater zum festen Programm. Es werden Radiosendungen aufgenommen, Filme gedreht, präsentiert und gezeigt. Es wird getagt, gelesen und geprobt. Und natürlich wird eine ganze Menge getanzt und gelacht. Nicht umsonst hat Jan Delay jüngst die Brücke samt Astrastube als Motiv für sein neues Album auserkoren.

Als Gegenmodell zu kommerziell ausgerichteten Spielstätten wird an der Sternbrücke nicht nur etablierten Künstlern ein Platz geboten, um sich zu präsentieren. Neben der Förderung des eigenen musikalischen Nachwuchses besuchen uns täglich Künstler aus ganz Deutschland und so ziemlich jeder Ecke der restlichen Welt. Von der ersten Tour bis zum Superstar. Dadurch wurde und wird ein einzigartiges Netzwerk geschaffen und gepflegt.

Nun ist der Fortbestand aller drei Clubs an der Sternbrücke in Gefahr. Die Bahn als Vermieter hat allen Vertragspartnern eine fristgerechte Kündigung zum 31.12.09 zugestellt. Somit wäre nach unseren traditionellen Silvestersausen erst einmal Feierabend für Fundbuero, Astrastube und Waagenbau. Grund dafür sind Instandsetzungsmaßnahmen an der Brücke.

Es war allen Beteiligten klar, dass die Sternbrücke eines Tages saniert werden soll. Daraus hat auch die Bahn uns gegenüber nie einen Hehl gemacht. Der baulich sich nicht gerade optimale Zustand der Gebäude war einer der Gründe, warum sich an dieser Stelle Clubs ansiedeln konnten. Denn zumindest zu Beginn waren die Mieten niedrig und wir konnten mangels Interesse der Bahn schalten und walten wie wir wollten. Ideale Bedingungen für ein kreatives Zentrum!

Völlig unklar war, wann und in welchem Umfang die Sanierungsarbeiten stattfinden würden. Die in unseren Häusern regelmäßig prüfenden Ingenieure äußerten sich dazu mehrfach ungefähr so: „Die Brücke steht schon über 100 Jahre und steht auch noch mindestens so lange“.

Zudem wurde uns gegenüber immer von einer Sanierung der gesamten Brücke gesprochen. Und davon, dass alleine die Verkehrsleitplanung für ein solches Projekt mindestens 2 Jahre in Anspruch nehmen würde. Somit hätten wir von Beginn der Planung bis zu einem möglichen Baubeginn über 2 Jahre Zeit gehabt, um uns nach alternativen Standorten umzusehen.

Dies stellt sich nun komplett anders da. Offensichtlich durch Gelder aus dem Konjunkturprogramm II finanziert, strebt die Bahn nun vorerst eine Teilsanierung an. Im Rahmen dieser Baumaßnahmen sollen im wesentlichen die historischen Kasematten von innen verfestigt werden. Danach sollen die Räume mit Beton komplett ausgefüllt und somit für immer verschlossen werden. Ebenfalls verschwinden werden je nach Rechenart etwa 50-100 Arbeitsplätze.

Noch wichtiger aber: Der Wegfall dieser Immobilen und der darin angesiedelten Clubs würde einen für Hamburg nicht kompensierbaren kulturellen Verlust bedeuten.

Daher bitten wir die Bahn darum, unsere Situation bei der Vorbereitung der Baumaßnahmen mit zu berücksichtigen. Folgende konkrete Anliegen haben wir:

1. Aufschub der Bauarbeiten um mindestens 3 Monate.

Nur so hätten wir eine realistische Chance, uns erfolgreich um das Entwickeln von alternativen Standorten zu bemühen. Zudem könnten wir diese Zeit gut gebrauchen, um all unsere Verträge zu erfüllen (Künstlerverträge haben oft einen Vorlauf von vielen Monaten).

2. Überprüfung der Baumaßnahmen

Wir stellen die Einschätzung der zuständigen Ingenieure selbstverständlich nicht in Frage. Wenn eine Sanierung der Brücke notwendig ist, dann muss sie auch durchgeführt werden. Aber eine Planung unter der Maßgabe, möglichst viel der Flächen zu erhalten, hat unseres Wissens nicht stattgefunden.

Prinzipiell scheint es uns möglich, auch trotz einer Sanierung und möglicher Verfüllung den Standort zumindest in veränderter Form langfristig zu retten. Um eine Gesprächsgrundlage zu schaffen wäre es uns wichtig, dass die aktuellen Sanierungspläne offengelegt werden und wir gemeinsam mit Vertretern der Bahn und der Stadt nach baulichen Lösungen suchen.

Wie auch immer diese Gespräche verlaufen, werden wir für die Zeit des Umbaus und im schlimmsten Falle auch darüber hinaus eine neue Bleibe brauchen. Leider ist dies aus zweierlei Gründen nicht so einfach.

Wie alle Clubs sind wir bei der Standortwahl beschränkt auf wenige Stadtteile und haben einige besondere Anforderungen an die entsprechende Immobilie. Lärmschutz, Miethöhe und Parkplätze, um nur einige der wichtigsten Parameter zu nennen.

Zusätzlich zieht idealer weise nicht nur ein einzelner Club um, sondern alle gemeinsam an einen neuen Standort. Unser Ziel ist es, die Sternbrücke als kulturelles Herz im Ganzen an einen anderen Platz zu transplantieren. Dies macht die Suche nach geeigneten Immobilien natürlich nicht gerade einfacher.

Die Wahrscheinlichkeit, das wir kurzfristig einen geeigneten Platz für alle drei Clubs finden, ist gering. Daher bitten wir an dieser Stelle die Stadt um Hilfe und die Unterstützung bei der Suche.

Der Senat hat bereits in den vergangenen Jahren in Kooperation mit dem Clubkombinat (clubkombinat.de) und mit tatkräftiger Unterstützung von Farid Müller (Die Grünen) Hamburg auf den Weg richtigen Weg gebracht.

Nach langen Jahren des gegenseitigen Nichtverstehens von Clubs und Politik konnten wir gemeinsam eine vernünftige und nachhaltige Spielstättenförderung für private Musikbühnen ins Leben rufen. Diese setzt vor allem auf Qualifikation und Verbesserung der Infrastruktur und eine faire und transparente Förderung für Clubs.

Eine Entwicklung, die langfristig eine Infrastruktur ermöglicht, auf die andere Städte schon jetzt mit einem gewissen Neid schauen. Denn mittlerweile, das ist deutlich zu spüren, gilt Hamburg als der deutsche Standort, der es als einziges geschafft hat echte und nachhaltige Lösungen zu erarbeiten!

Genau eine solche Lösung wollen wir probieren gemeinsam mit Vertretern der Politik zu finden! Wir freuen uns über jede Hilfe, über Ideen für einen neuen Standort oder auch eine Zwischenlösung!

Verzweifelte Grüsse von der Sternbrücke

i.V. John Schierhorn

(Geschäftsführender Gesellschafter Waagenbau)


Kontakte:

Waagenbau:

John Schierhorn

john@waagenbau.com

01772927605


Astrastube:

Volker Meier

volker@pferdestall.de

015152701484

Fundbuero:

Heidrun Schramm

info@fundbureau.de

01736241801

Pressesprecher der Bahn

Egbert Meyer-Lovis

Tel: 040 3918 4498

Fax: 069 265 36016

egbert.meyer-lovis@bahn.de

Brigitta Martens (MdhB / CDU)

Tel: 040 37502986

Fax: 040 37502987

b.martens@brigitta-martens.de

Farid Müller (MdhB / Die Grünen)

Tel: 040 328 73 280

Fax: 040 285 77 589

farid.mueller@gal-fraktion.de

Andy Grote (MdhB / SPD)

Tel: 040 79 69 39 07

Fax: 040 79 69 39 08

Andy.Grote@spd-fraktion-hamburg.de

Clubkombinat e.V.

Terry Krug

Geschäftsführerin

Tel.: 040 319 60 60

Fax.: 040 319 60 69

kontakt@clubkombinat.de

Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft IHM

Frank Lemloh

Tel.: 040 89006002

Fax: 040 43283939

info@musikwirtschaft.org