In der Sommerpause untergegangen und dennoch ein schöner symbolischer Schritt in der Emanzipation und Frauenpolitik, über den es zu berichten lohnt: Der Hamburger Senat hat beschlossen, zwölf Verkehrsflächen in Hamburg-Mitte, Hamburg-Nord, Wandsbek und Harburg zukünftig auch Frauen zu ehren. Dies soll durch neue Informationsschilder sichtbar gemacht und damit für alle BetrachterInnen auf der Straße verständlich gemacht werden. Die Straßen behalten ihre ursprünglichen Namen, werden zusätzlich aber auch wichtigen historischen Frauen mit denselben Namen gewidmet. So kommt es zu keinen Verwirrungen in der Orientierung in Hamburg und gleichzeitig kann ein frauenpolitisches Zeichen gesetzt werden. Grundsätzlich werden die Erklärtafeln an den Straßenschildern von den sieben Bezirksämtern verwaltet, angeschoben haben die neue Widmung aber unsere GRÜNE Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank und die Landeszentrale für politische Bildung. Nach 2001 ist dies nun die zweite Welle an Neuwidmungen der Straßennamen für Frauen in Hamburg.

Antonie, genannt Toni, Petersen (1840-1909)

Eine der Frauen, denen eine Straße gewidmet wurde, ist beispielsweise Antonie, gennant Toni, Petersen. Sie gehörte dem Hauspflegeverein an, der bedürftige Familien versorgte kranke Hausfrauen auf St.Pauli pflegte. Außerdem engagierte sie sich im Deutsch-Evangelischen Frauenbund und im Damen-Commitee. Weitere Informationen  Toni Petersen und weiteren der geehrten Ehefrauen, Töchtern und Müttern der bisher alleinigen Namensgeber gibt es auch hier.

Die Liste der Straßen und ihren neuen Widmungen:

Petersenkai (Stadtteil HafenCity)
nach Antonie (Toni) Petersen (1840-1909), Wohltäterin und Kunstmäzenin, und ihrem Vater Dr. Carl Petersen (1809-1892), Erster Bürgermeister und Senator der Freien und Hansestadt Hamburg.

Schmilinskystraße (Stadtteil St. Georg)
nach Amalie Cäcilie Schmilinsky (1833-1916), Mitbegründerin des an dieser Stelle gelegenen Schmilinskystiftes, und deren Ehemann Carl-Heinrich Schmilinsky (1818-1891), Kaufmann und Gründer des Schmilinskystiftes.

Leipeltstraße (Stadtteil Wilhelmsburg)
nach Katharina Leipelt (1893-1943), Opfer des Nationalsozialismus, und ihrem Sohn Hans Leipelt (1921-1945), in Wilhelmsburg aufgewachsen, als Student Mitglied des Hamburger Zweiges der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Döhnerstraße (Stadtteil Hamm)
nach Sophie Döhner, geborene Hube (1817-1892), Gründerin des „Sophie-Döhner-Hube-Stifts“ und ihrem Ehemann August Friedrich Gustav Adolph Döhner (1814-1888), der auf dem Gelände der Straße ansässig war.

Blostwiete und Blosweg (Stadtteil Horn)
nach Anna Blos (1866-1933), Mitglied der Nationalversammlung und erste Ortsschulrätin in Deutschland, und ihrem Ehemann Wilhelm Blos (1849-1927), Journalist in Hamburg, Schriftsteller und Politiker, Mitglied des Reichstags (SPD).

Büringstwiete (Stadtteil Ohlsdorf)
nach Anna Büring (geboren etwa 1455, gestorben 1537), Gründerin einer Aussteuerstiftung für „arme, ehrliche Jungfrauen“ und ihrem Ehemann Henning Büring (geboren um 1435, gestorben 1499), Bürgermeister von 1486-1499 und Stifter.

Herderstraße (Stadtteile Uhlenhorst und Barmbek-Süd)
nach Maria Karoline Herder (1750-1809), eine der überragenden Frauengestalten des Weimarer Kreises im 18. Jahrhundert, Lektorin und Autorin, und ihrem Ehemann Johann Gottfried Herder (1744-1803), Dichter, Theologe, Philosoph.

Maetzelweg (Stadtteil Volksdorf)
nach Monika Maetzel (1917-2010), Keramikmeisterin, langjährige Obermeisterin der Hamburger Töpferinnung und ihren Eltern Dorothea Maetzel (1866-1930), Malerin, und Emil Maetzel (1877-1955), Baudirektor und Maler.

Benzstraße (Stadtteil Bramfeld)
nach Bertha Benz (1849-1944), Pionierin und Unterstützerin des Automobils, und ihrem Ehemann Carl Friedrich Benz (1844-1929), Erfinder des Automobils, Ingenieur und Autokonstrukteur.

Tiecksweg (Stadtteil Eilbek)
nach Dorothea Tieck (1799-1841), bedeutende Übersetzerin, und ihrem Vater Ludwig Tieck (1773-1853), Dichter und Dramaturg.

Breitscheidweg (Stadtteil Heimfeld)
nach Tony Breitscheid (1878-1968), Frauenrechtlerin, Verfolgte des Nationalsozialismus, und ihrem Ehemann Rudolph Breitscheid (1874-1944), Mitglied des Reichstags (SPD), Opfer des Nationalsozialismus.

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