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Am 28. Februar entscheidet die Hamburger Bürgerschaft über einen neuen Feiertag. Die Abstimmung darüber wurde von allen Fraktionen freigegeben. Insgesamt stimmen wir über 5 Vorschläge zu einem neuen Feiertag in Hamburg ab.Ich neige der Evangelischen Kirche zu, bin aber nicht Mitglied und auch nicht besonders religiös. Dennoch unterstütze ich das Vorhaben  mit einigen Grünen Kolleginnen und Kollegen, wie Christiane Blömeke, Martin Bill, Anjes Tjarks, Stefanie von Berg, Olaf Duge und Murat Gozay den 31. Oktober als Tag der Reformation zum Feiertag zu machen. Warum?

1. Ich bin der Meinung, dass wir in Hamburg einen weiteren Feiertag einführen sollen. Feiertage sind für die Ruhe, Erholung und die Familie da. Das verstehe ich auch als ein Zeichen gegen die Durchkommerzialisierung unseres Lebens und unserer privaten Lebensbereiche. Am Rande ist es auch eine Gerechtigkeitsfrage: In Süddeutschland gibt es 13 Feiertage, in Hamburg 9.

2. Wenn man das will, muss man sich für einen Tag entscheiden. Ich habe in dieser Debatte viele respektable und auch einige blöde Vorschläge vernommen. Wichtig war mir, dass das Ergebnis nicht an der Masse der Vorschläge scheitert, weil keiner eine Mehrheit bekommt.

3. Mein persönlicher Favorit für einen Feiertag wäre der Internationale Frauentag – am 8. März gewesen. Der Rest meiner Grünen Kolleginnen und Kollegen stimmen auch für diesen Vorschlag, gerade in der aktuellen Zeit, der „metoo“-Debatten. Hier gilt aber für mich der „Makel“, das sollte der Deutsche Bundestag beschließen, diese Ehrung der Frauen ist nicht nur eine Sache Hamburgs. Ich hätte mir noch NRW als Vorreiter vorstellen können, dann wäre immerhin über 18 Millionen betroffen gewesen…Ich finde es aber gut, das es diesen Vorschlag als ernsthafte Alternative gibt zum ‚Tag der Reformation‘ gibt.

4. In der Diskussion gab es die ganze Zeit einen norddeutschen Bezugsrahmen. Die Reformation ist ein Ereignis, dass vor allem auch Nord- und Ostdeutschland geprägt hat. Aber bei mir stehen eher pragmatische Gründe im Vordergrund.

5. Wir haben etwa 400.000 Pendler. Ein Feiertag macht nur mit NDS und S-H Sinn. Es gibt in der ersten Jahreshälfte sehr viele Feiertage – in der zweiten Jahreshälfte nur den 3. Oktober. Auch wenn ich weiß, dass es Tage gibt, an denen das Wetter besser ist, ist es für den Lebensrhythmus auch wichtig, dass Pausen gut verteilt sind.

6. Man sollte den Tag der Reformation nicht nur kirchlich, sondern auch weltlich verstehen. Johannes Bugenhagen hat im Zuge der Reformation auch die Armenfürsorge und das Schulwesen in Hamburg neu organisiert. Es ist ein geschichtliches Verständnis, dass unsere Gesellschaft sowie unsere Kunst und Kultur geprägt hat. Es ist auch ein Referenzrahmen in dem wir über uns und unsere Gesellschaft nachdenken und diese weiterentwickeln können. Deswegen schlage ich mit den anderen Unterzeichnern vor, die Museen dieser Stadt an diesem Tag kostenfrei zugänglich zu machen.

Deswegen komme ich in der Summe der Argumente für mich zu dem Ergebnis, dass dies ein Vorschlag ist, dem ich zustimmen werde.

Kommentare

  1. Wiebke Fuchs

    Der Frauentag ist am 8. März. Nicht am 7.
    Martin Luther war ein leidenschaftlicher Antisemit, die Jüdische Gemeinde hat daher mit dem Reformationstag große Bauchschmerzen. Wie passt das zusammen, wenn immer vom christlich-jüdischen Erbe in Europa gesprochen wird und dann ein Tag gefeiert wird, der viel mit dem antisemitischen Erbe zu tun? Da hätte ich mir doch eine Abwägung gewünscht.

  2. farid

    Liebe Wiebke,

    Danke für Deinen Kommentar und für Deinen Hinweis zum Datum des Weltfrauentags, habe ich sofort korrigiert.

    Der Hinweis des Antisemiten Luther ist richtig, für mich war es deshalb auch wichtig, dass wir keinen Luthertag heute als Feiertag bestimmen, sondern den Tag der Reformation.
    In der Bürgerschaftsdebatte hat meine Kollegin Stefanie von Berg diesen Punkt angesprochen und auch abgewogen.Vielleicht werde ich meine Begründung jetzt nochmal etwas zu ergänzen.

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