Noch nie gab so viel Gewalt um den Christopher-Street-Day herum, wie 2013. Zuerst erschütterte die Nachricht vom Steinanschlag gegen das Magnus-Hirschfeld-Centrum die Stimmung vor der Parade, dann im Nachhinein, die Meldungen von Gewaltübergriffen mit gefährlicher Körperverletzung unmittelbar beim Strassenfest am Ballindamm und auch in St.Georg. Nun, nach 4 Wochen, frage ich den Hamburger Senat, was die Ermittlungen zu dieser beispiellosen Gewaltserie ergeben haben? Letzte Woche Freitag habe ich ein Opfer (Peter M.) von mutmaßlichem Schwulenhass besucht, konduliert und nach den Ereignissen des Tathergangs gefragt.

Opfer Peter M.Leider hat die Polizei die Täter wohl noch nicht mal identifiziert, was auch durch seinen Blackout um die Tat herum erschwert wird. Ein Facebook-Aufruf einer guten Freundin des Opfers läuft seit dem Überfall, auch hier erhofft man sich noch Informationen zum Tathergang.

Meine Fragen an den Senat lauten nun u.a. ob diese Gewalttaten als Hassverbrechen gegen Schwule und Lesben in der polizeilichen Staatsschutz-Datei aufgenommen werden (es handelt sich hier um eine Täter-Datei). Denn Gerüchten zufolge, weigert sich die Polizei entsprechende Schlüsse zu ziehen….

Das von mir besuchte Opfer Peter M. jedenfalls erinnert sich noch daran, dass ihn ein Mann vor dem Gewaltübergriff angesprochen hat und danach fragte, ob er denn schwul sei. Danach reißt die Erinnerung ab und er wacht erst wieder Stunden später blut überströmt im Lohmühlenpark in St. Georg auf. Von dort wurde er sofort ins Krankenhaus St. Georg gebracht. Die Mopo titelte jedenfalls nach den Gewaltvorfällen „Schwulen-Hass mitten in Hamburg„, ich bin gespannt, ob und wie die Erkenntnisse der Hamburger Polizei mir jetzt vom Senat mitgeteilt werden.

Wir können doch nicht nach dieser Gewaltserie einfach so zum Alltag übergehen, die Politik muss hier Konsequenzen aus den Ermittlungsergebnissen ziehen. Wie sehen Sie das, schreiben Sie unten gerne Ihre Meinung!

Aktuell: Inzwischen liegt mir die Senatsantwort auf meine Kleine Anfrage vor. Wie ich befürchtete, versucht die Polizei den Eindruck zu erwecken, diese Vorfälle hätten nicht das Motiv „Schwulenhass“. Nun bleibt nichts anderes übrig, als mit weiteren Opfern vom August in Kontakt zu treten und um sich deren Version, direkt ohne Filter, noch einmal anzuhören. Mit diesen Erkenntnissen werde ich den SPD-Senat und die Polizei dann erneut konfrontieren. Es darf hier keine Verharmlosung oder „unter den Tisch kehren“ Mentalität Raum greifen.

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