Situation am Hansaplatz

Die Situation am Hansaplatz war Thema in der Aktuellen Stunde der Hamburger Bürgerschaft, nachdem Anwohner einen Offenen Brief u.a. an den Ersten Bürgermeister Olaf Scholz geschrieben hatten. Tatsächlich haben sich die Umstände vor Ort aus Sicht vieler wieder verschlechtert.

Während die CDU und auch  die Anwohner im Offenen Brief nach der Ordnungspolitik rufen, ist klar, dass die Polizei die meisten Probleme nicht lösen kann (ein paar schon). Nach Ansicht der Unterzeichner des Offenen Briefes haben sich die multiplen Problemlagen parallel zum Schlechteren entwickelt. Die Prostitution hat, entgegen der allgemeinen Hoffnung, trotz der vom SPD-Senat eingeführten Freierverordnung wieder zugenommen. Laut Senatsangaben haben aber im ersten Halbjahr 2014 mehr Frauen als Freier Bußgelder bekommen. Dies führt allerdings dazu, dass die Frauen von ihren Zuhältern gezwungen werden, diese Bußgelder noch zusätzlich zu „erwirtschaften“. Diese Entwicklung verschärft die Situation vor Ort mehr, als dass sie sie entschärft.

Mein Vorschlag: Ich empfehle hier dringend einen Runden Tisch zum Thema „Prostitution“.  Es ist zwingend erforderlich, dass Vertreter, die nahe am Geschehen sind, mit dabei sind. Darüber hinaus bedarf es einen straffen Zeitplan für die Erarbeitung von Vorschlägen. Gerne empfehle ich hier noch das Aktionspapier der Grünen Bundestagsfraktion, wie beim Prostitionsgesetz im Bundestag nachgebessert werden muss.

Neuer Hansaplatz zur Eröffnung

Neuer Hansaplatz zur Eröffnung

Die Trinkerszene hats sich ebenfalls in den letzten Monaten verstärkt und auch am Hansabrunen festgesetzt.  Verstärkt hat sich diese Situation als Folge einer Verdrängung vom Hauptbahnhof. Hier hatte der SPD/FDP-regierte Bezirk das Hausrecht vom Bahnhofsvorplatz an die Deutsche Bahn abgegeben. Deren private Wachdienste haben dann Trinker und Obdachlose vertrieben. Verschwunden sind sie natürlich nicht, sondern nur ein paar Straßen weitergewandert, nämlich Richtung Hansaplatz. Darüber hinaus hat ein neuer Imbiss angefangen Bier zu Billigpreisen rund um die Uhr zuverkaufen, was die Situation weiter anheizt.

Mein Vorschlag: Bezirk und SPD-Senat sollten ernsthaft darüber nachdenken, eine Art Trinkertreff mit Betreuung zwischen Hauptbahnhof und Hansaplatz einzurichten. Das ist etwas mehr als eine Trinkerhalle und kann ein Anfang sein, die Trinkerszene nicht nur aus der Öffentlichkeit zu ziehen, sondern auch erste Hilfsangebote zu entwickeln.

Die Verdrängung von Trinkern und Obdachlosen durch die Deutsche Bahn vom Bahnhofsvorplatz muss ein Ende haben. Denn diese wandern dann noch zusätzlich zum Hansaplatz und erschweren dort eine positive Entwicklung. Immerhin gibt es jetzt im Bezirks-Koalitionsvertrag mit der SPD-Mitte einen Passus, der das Hausrecht und das Wirken der Sicherheitsdienste für eine Untersuchung aufgreift sowie sich der Frage nach der sozialen Situation stellt.

Mein Vorschlag: Diese Untersuchung sollte unverzüglich angegangen werden, denn Hauptbahnhof und Hansaplatz hängen miteinander zusammen. Wer also will, dass die Situation auf dem Hansaplatz sich entspannt, der muss das Problem Hauptbahnhof angehen.

Foto einer Anwohnerin

Foto einer Anwohnerin

Dann gibt es augenscheinlich das Problem der Teilübermüllung bei den Containern in der Erde. Dazu hat mir eine Anwohnerin ein Foto geschickt, welches ich gerne zur Veranschaulichung veröffentliche.

Mein Vorschlag: Die Stadtreinigung ist hier in der Pflicht den überbordenen Müll, der nicht mehr in die unterirdischen Container passt, abzuholen. Entweder erhöht sie den Takt der Entleerung oder die Container müssen größer werden. Diesen Vorgang muss das Bezirksamt aufgreifen und mit der Stadttreinigung eine Lösung finden.
Noch immer ist die gewerbliche Erdgeschossvermietung am Hansaplatz ein Problem. Nach dem Umbau hatte das Bezirksamt Mitte dieses Problem erkannt und wollte die Hausbesitzer zu einem Runden Tisch einladen. Die Öffentlichkeit hat von diesem Vorgang nie wieder etwas gehört.

Mein Vorschlag: Das muss dringend (wieder?) angegangen werden. Und natürlich ist das kein einfaches Unterfangen, weil man niemanden zwingen kann, sich zusammenzusetzen. Dennoch kann es zum Erfolg führen, wenn das Bezirksamt hartnäckig dran bleibt. Wenn es hier einen Erfolg gibt, dann ist das unmittelbar auf und am Hansaplatz zu merken. Als erste Maßnahme steht die Kündigung des Mietvertrages für den Billig-Bier-Kiosk an.

Bild: Kosemund + Putz  Architekten

Bild: Kosemund + Putz Architekten

Und zu guterletzt steht die Frage an, ob nicht endlich auch eine Art Pavillon-Cafè auf dem Hansaplatz (Richtung Bremer Reihe) ermöglicht wird. Der Architekt hatte das von Anfang an vorgesehen, das Bezirksamt hat diese Pläne in der Schublade verschwinden lassen. Dabei kann ein neuer Anlaufpunkt auf dem Platz dazuführen, dass sich das Publikum besser mischt und keine bestimmte Szenen den Hansaplatz dominieren, so dass weder Anwohner noch Besucher sich dort gerne aufhalten. Und so ein Cafè kann dafür sorgen, dass die Zeit bis zu einer besseren Vermietungspolitik der Hausbesitzer im Erdgeschoss überbrückt werden kann.

 

Und hier die Rede von Kollege Warnholz…

Weitere Posts zum Thema:

Rede zur aktuellen Situation auf dem Hansaplatz und dem Jungfernstieg

Hansaplatzeröffnung

Zukunft Hansaplatz: Café ermöglichen

 

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Kommentare

  1. Georg Fries

    Die Probleme werden meiner Meinung nach eher von der verbissenen Art ausgelöst bzw. verstärkt, die von den Leuten des „offenen Briefes“ schon seit längerem ausging. Ich wohne seit fast 12 Jahren am Hansaplatz und kann nicht bestätigen, daß die Beschreibung stimmt, alles wäre „schlimmer“ geworden. Das klingt eher wie ein idealisiertes Bild aus Zeitschriften wie „Stadtlust“, die es vielleicht bald geben wird, wenn die „Landlust“ abflaut^^. Hinter fein klingenden Formulierungen, die suggerieren, der Hansaplatz wäre „für alle“ da, wird seit Jahren von Teilen der Leute, die sich Wohnungen kauften, und von Geschäften mit diversen Strategien versucht, das Gegenteil zu erreichen. Ärmere Leute, Trinker, im Grunde alle, die überall in Bahnhofsvierteln wie auch am Hansaplatz wohnen oder sich gern bei uns aufhalten, sollen vertrieben werden. Erst versuchte man es mit einer Kampagne gegen die Prostituierten – die Lösung war aber nicht ein Vorschlag, wie man ihnen helfen könnte (das würde übrigens, wie die Grünen doch mal wußten, eine wesentlich sozialere Gesellschaft voraussetzen als Deutschland seit etwa 2000 – ein anderes Thema, aber wichtig. ).
    Nein, es war eine typische „not in my backyard“-Strategie. Prostituierte sind in der Öffentlichkeit des Hansaplatzes aber z.B. weit sicherer als in irgendeinem abgelegenen Gewerbegebiet, wohin manche sie gerne vertreiben würden. Solange man ihnen (das ginge weit über bundesweite Politik hinaus!) nicht helfen kann, kann man sie doch unmöglich, wie es diese Initiativen wollen, aus der Mitte der Stadt vertreiben? Was für eine Idee!

    Dann wetterte man vor Monaten, der Hansaplatz gehöre nicht nur den Trinkern und Obdachlosen und Prostituierten, als man einen Biomarkt vorgeschlagen hatte. Peinlich war auch, wie uniform die „schöneren“ Cafés auszusehen hatten, und wie lange auf der anderen Seite ein alteingesessenes Lokal kämpfen mußte, bis es endlich nach langem hin und her – schlicht Tische aufstellen durfte… Das sind neue Strategien. Man ist nicht ehrlich, sondern man geruht die, die man verdrängen will, „indirekt“ zu verdrängen, um sich fein rausreden zu können, wie edel man doch wäre. „Die sind ja von selbst gegangen“, würde man sagen, würden die „mach alles bürgerlicher“-Strategien aufgehen.

    Die ganze Kampagne hat einen üblen Geschmack. Es ähnelt, und das wissen auch alle, man redet nur drumrum, der bekannten Geschichte aus der Zeit, als es „cool“ war, nicht in Metropolen zu ziehen, sondern aufs Land. Man zog wegen der „guten Landluft“ aus der Stadt. Dann aber stellte man sehr bald Forderungen a la „Dieser Bauernhof da“ solle verschwinden. „Er stinkt.“… „Dieser Bauernhof da“, samt der Landluft^^, war aber nunmal seit langem da! Ähnlich verhält es sich seit Jahren nun in der Großstadt, etwa am Hansaplatz.

    Es ist absurd, wie „gentrification“ seit etwa zwei Jahrzehnten geschieht. Man kauft sich am Hansaplatz eine Eigentumswohnung. In einem seit langer Zeit vielfältigen, ja, ’schmuddeligen‘ und lebendigen Viertel direkt am Hauptbahnhof. Man eröffnet Kunstläden oder Bio-Läden um die Ecke. Dabei genießt man, wie z.B. vom Schanzenviertel oder von St.Pauli gewohnt, den „shabby chic“, den St.Georg in den Köpfen noch hat, man fühlt sich cool. (Ganze Werbeindustrien basieren darauf, man redet nur nicht drüber.) Das ist das Phänomen, das hinter Gentrifizierung steckt. Dann aber tritt man als die Bestimmenden im Viertel auf, und arbeitet teilweise auch mit nicht ganz so schönen Tricks („…hat zugenommen“ „….“ist viel schlimmer geworden“ „unsere Kinder können kaum auf die Straße“, usw.). Man fordert sogar mehr Polizei! Ich als Anwohner fühle mich durch die Vielzahl der PolizistInnen, große Polizeiwägen jeden Tag eher gestört als durch die Leute, die es hier schon immer gab und hoffentlich weiter geben wird. Alle, die hierherzogen, wußten davon! (Hab u.a. darüber auch mal ein langes Telefongespräch mit dem netten Leiter des PK11 geführt. )
    Ich könnte mir auch vorstellen, daß PolizistInnen lieber andere Arbeiten verrichten würden als ständig sehr armen Menschen irgendwelche Bußgelder auszustellen oder „Platzverweise“ zu geben, die ja kein einziges Problem lösen.

    Der „offene Brief“ will Verdrängung, und ist egoistisch. Niemand der Leute am Hansaplatz hätte je etwas dagegen unternehmen wollen, als Leute im Arbeiterviertel St.Georg ihre teuren Eigentumswohnungen kauften, ihre feineren Läden eröffneten (obwohl durch gentrification bekanntlich die Mieten steigen, also bereits dadurch Verdrängung geschieht. Viele alte Leute wurden z.B. früher aus ihrem Schanzenviertel vertrieben, als es dort „cool“ wurde.) Verdrängen wollen die „Ureinwohner“ niemanden, sie wollen nur nicht selbst verdrängt werden, und haben wie immer weniger Macht. (Politisch zu lösen wäre etwa das Problem der durch Gentrifizierung für viele zu teuren Mieten. Sonst ist St.Georg eben nicht „für alle“ da.)

    Wer am Hansaplatz am Brunnen sitzen will, kann da sitzen, wo wäre da ein Problem? Da saßen immer auch Trinker, seit langer, langer Zeit. Manche der jüngeren wohlhabenderen neuen BewohnerInnen frühstücken da sonntags ab und zu, und es käme keiner der ärmeren Leute drauf, sich deswegen zu beschweren. Warum auch?
    Durch solche „offenen Briefe“, die auf Verdrängung hinauslaufen, entsteht erst das verbissene, spießige und ungute Gefühl, das in allen gentrifizierten Vierteln immer auftaucht. Das ist es, was am Hansaplatz inzwischen wirklich stört.. Nicht die Leute, die immer da waren. Ihnen hilft man nicht durch schöngeredete Vertreibung, Sie wissen ja, Herr Müller, daß hier Stadtpolitik allein kaum helfen könnte, aber ein Umdenken auf Bundes- und Landesebene könnte das vielleicht.

    Ich würde mir wünschen, Sie würden sich für die Vielfalt am Hansaplatz einsetzen, und nicht auch noch mehr oder weniger fair klingende Verdrängungsvorschläge machen (Trinkstube). Die CDU macht ja leider grade Wahlkampf mit solchen Forderungen.
    Diese Initiativen sollten sich mit ihren Ideen nicht durchsetzen.

  2. Peter Jebsen

    Re: „Die Verdrängung von Trinkern und Obdachlosen durch die Deutsche Bahn vom Bahnhofsvorplatz muss ein Ende haben. “

    Wenn Trinker und Obdachlose niemandem schaden, können sie sich meiner Meinung nach gern überall niederlassen, wo sie wollen. Auf dem Bahnhofsvorplatz am Hachmannplatz blockieren sie aber in verstärkem Ausmaß die ohnehin schon knappen Fahrradstellplätze und beschädigen dort auch Räder (ist mir schon passiert). Mich würde es freuen, wenn sie von dort „verdrängt“ würden. Es dürfte ja auch im Sinne der Grünen sein, wenn hier die Interessen umweltfreundlicher Radfahrer geschützt würden. ;-)

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